In deutschen Küchen wird noch immer viel geschnippelt, gekocht, gebraten. Doch auch Fertiggerichte gehören für die Hälfte der Verbraucher zum Alltag. Laut dem „Convenience Food Report 2025“ kaufen 49 Prozent der Deutschen mindestens einmal im Monat ein verzehrfertiges Gericht. Besonders hoch ist der Anteil bei der Generation Z und den Millennials. In beiden Gruppen greift rund jeder Dritte wöchentlich zu Produkten wie Tiefkühlpizza, Nudelpfanne, Suppenbecher oder Mikrowellenreis. Auch zwischen Männern und Frauen gibt es Unterschiede: 28 Prozent der befragten Männer legen mindestens einmal pro Woche Fertiggerichte für zuhause in den Einkaufskorb, bei den Frauen sind es 17 Prozent.
Zwischen Tiefkühlpizza und frischen Zutaten
Fertiggerichte verdrängen das Kochen nicht, sie ergänzen es vielmehr. 76 Prozent der mehr als 1000 Befragten kochen mindestens einmal pro Woche frisch. 34 Prozent kombinieren Tiefkühlprodukte regelmäßig mit frischen Zutaten. Jeder Vierte (26 Prozent) setzt mindestens einmal pro Woche auf fertige Mahlzeiten, die nur noch erhitzt werden müssen. Diese Zahlen spiegeln auch ein verändertes Zeitverständnis beim Kochen wider: Für 60 Prozent der Befragten darf das Abendessen nicht länger als 30 Minuten dauern. Lediglich rund ein Drittel ist bereit, mehr Zeit in die Zubereitung zu investieren.
Geschmack und Preis sind entscheidend
Die Yougov-Studie offenbart: Beim Kauf von Convenience Food kommt es nicht vorrangig auf Kalorien oder Herkunft an, sondern vor allem auf Geschmack, Preis und Zutaten. Die Mehrheit der Konsumenten wünscht sich ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, ohne Kompromisse beim Genuss. So gaben 62 Prozent der Befragten an, dass es entscheidend ist, ein Produkt schmeckt. Mit 61 Prozent achten fast ebenso viele auf den Preis. 35 Prozent legen Wert auf die Zutaten, 29 Prozent auf die Dauer der Zubereitung.
Heißluft statt Ofen
Ein Produkt hebt sich von anderen Fertiggerichten besonders ab: die Pizza. Kein anderes Gericht wird häufiger genannt, wenn es um die bevorzugte Wahl im Kühlregal geht. Doch auch das „Wie“ der Zubereitung verändert sich. Fast ein Drittel der Deutschen nutzt inzwischen mindestens einmal pro Woche eine Heißluftfritteuse – bei Frauen liegt der Anteil sogar noch höher. Die Hauptmotive: weniger Öl, weniger Abwasch, mehr Effizienz. Besonders deutlich wird das bei der jungen, urbanen Zielgruppe: Hier ist der „Airfryer“ längst Teil des modernen Küchen-Setups.
Ein neues Verständnis von Kochen
Convenience Food hat seinen Platz gefunden – als pragmatische Lösung im Alltag zwischen Homeoffice, Kinderbetreuung und Freizeitstress. Die gestiegene Akzeptanz spiegelt auch eine Veränderung in der Haltung gegenüber Essenszubereitung wider: Kochen ist nicht länger moralische Pflicht, sondern Option. Wer sich für ein Fertiggericht entscheidet, tut dies hingegen nicht aus mangelnder Sorgfalt, sondern, weil er gerade wenig Zeit hat oder schlicht Lust auf ein bestimmtes Produkt. Convenience Food wird zum Bestandteil eines flexiblen Essverhaltens, das sich nicht mehr an festen Ritualen, sondern an individuellen Bedürfnissen orientiert. Heute wird frisch gekocht, morgen aufgewärmt, übermorgen geliefert. Die YouGov-Analysten sehen darin keinen Verlust, sondern einen Wandel: „Kochen von Grund auf bleibt wichtig, aber es ist nicht länger der alleinige Standard“, heißt es im Report.
Die neue Convenience-Vielfalt
Die Lebensmittelhersteller reagieren längst auf den Trend und gestalten ihn aktiv mit. Das Angebot wird breiter, vielfältiger und nachhaltiger. Für nahezu jeden Geschmack und Lebensstil ist etwas dabei. Die Tiefkühltruhe ist längst nicht mehr das letzte Mittel für gestresste Singles, sondern ein normaler Bestandteil der Alltagsküche geworden.