Von Joghurt über Bier bis hin zu Müsliriegeln: Wer Lebensmittel transportiert, bewegt nicht nur Produkte, sondern verursacht auch Emissionen. Der Transport macht einen nicht unerheblichen Teil des CO2-Fußabdrucks der Lebensmittelindustrie aus und ist zudem ein gut messbarer und direkt beeinflussbarer Faktor. Der Umstieg auf Elektro-Lkw ist daher nicht nur eine technologische Weiterentwicklung, sondern ein klares Bekenntnis der Branche zu Klimaschutz, Innovation und Verantwortung. Jetzt gilt es, die Infrastruktur, Rahmenbedingungen und Investitionsanreize gemeinsam voranzubringen. Doch der Weg ist anspruchsvoll.
„Mehr Strom als eine Brotfabrik“
Es sind nicht nur die großen Konzerne wie Nestlé, Mars oder Danone, die E-Lkw in ihre Logistik integrieren. Auch Mittelständler wie die Münchner Brauerei Augustiner oder die Großbäckerei Harry Brot setzen elektrische Sattelzüge ein. „Wir bei Harry Brot denken in Generationen – sowohl als Unternehmen als auch im Sinne der Umwelt. Daher entwickeln wir in allen Bereichen entlang unserer Wertschöpfungskette ressourcenschonende Lösungen. Dazu gehört auch, dass unser Fuhrpark nachhaltiger wird“, erklärt Kathrin Krützfeldt, Leiterin PR & Kommunikation bei Harry-Brot.
Der erste vollelektrische Sattelzug werde im Herbst ausgeliefert. Für die Tourenplanung und Ladeinfrastruktur seien allerdings noch erhebliche Vorbereitungen nötig – nicht zuletzt aufgrund des hohen Strombedarfs. „Die Fahrzeuge laden aktuell bis zu 400 Kilowatt und werden in der Ausbaustufe bis zu 1 Megawatt laden – das ist mehr Strom als eine Brotfabrik insgesamt benötigt“, heißt es bei Harry Brot. Neben internem Planungsaufwand bedarf es hierfür auch zahlreicher Absprachen mit der Stadt.
E-Lkw senken Tonnen an Emissionen
Die Zahlen sprechen für sich: Ein einziger E-Lkw kann je nach Einsatzgebiet bei mittlerer Nutzung 50 bis 90 Tonnen CO2 pro Jahr einsparen. Besonders effizient sind sie im Shuttlebetrieb auf festen Kurzstrecken. Augustiner setzt etwa zwei Volvo FM Electric ein, die zwischen Brauerei und Abfüllanlage pendeln. Die Vorteile sind offensichtlich: kein Lärm, keine lokalen Emissionen und dank Rekuperation wird sogar beim Bremsen Energie gewonnen.
Mars: Elektrifizierung als europäisches Großprojekt
Mars startete 2024 gemeinsam mit dem schwedischen Frachttechnologieunternehmen Einride eine großangelegte Elektrifizierungsinitiative. Das Ziel: 300 E-Lkw in Europa bis 2030. „Durch die Umstellung erwarten wir eine jährliche Reduzierung der CO2-Emissionen von 20.000 Tonnen. Das entspricht einer Reduzierung der Treibhausgasemissionen der Mars Logistik in Europa um etwa 10 Prozent pro Jahr“, so Nicolas Storck, Head of Logistics bei Mars. Schon heute fahren zwei elektrische 40-Tonner zwischen Verden und Minden. Jährlich spart das 400 Tonnen CO2. Weitere Routen in den Niederlanden und Deutschland sind geplant. „Der Übergang verlief sehr reibungslos“, berichtet Storck. „Die Fahrer schätzen die geräuscharmen und komfortablen Fahrzeuge.“ Der Ausbau elektrischer Transportnetze ist Teil des globalen Mars Engagements, die Emissionen bis 2050 über die Wertschöpfungskette auf Netto-Null zu senken.
Nestlé: Flexible Technologie-Lösungen
Nestlé verfolgt eine technologieoffene Strategie, bei der unterschiedliche Lösungen je nach Einsatzbereich genutzt werden. Elektro-Lkw kommen auf kurzen, planbaren Strecken mit hoher Frequenz zum Einsatz, HVO und Bio-LNG auf längeren Distanzen mit beschränkter Ladeinfrastruktur. „Langfristig bieten Elektro-LKW den größten Umwelteffekt und transformieren die Logistik grundlegend. Mit wachsenden Erfahrungswerten und besserer Infrastruktur hoffen wir, dass sich diese Technologie zunehmend durchsetzt, da sie eine skalierbare Lösung für emissionsfreie Transporte und eine zukunftsfähige, nachhaltige Logistik darstellt“, so Martin Grossmann, Head of Foreign Trade & Transport bei Nestlé Deutschland.
Bereits jetzt laufen 10 bis 20 Prozent der Transporte bei Nestlé elektrifiziert oder mit HVO. Bis zum Jahr 2025 möchte der Konzern seine Emissionen im Transport um mehr als 15 Prozent reduzieren. Gemeinsam mit Partnern arbeite man dafür an innovativen Strategien. „Die Zusammenarbeit macht deutlich: Wandel ist möglich – und er ist wirtschaftlich umsetzbar“, resümiert Grossmann.

Die Infrastruktur: Engpass und Hoffnungsträger zugleich
Der größte Flaschenhals für den flächendeckenden Einsatz ist jedoch nach wie vor die Ladeinfrastruktur. Zwar investieren die Unternehmen in eigene Lösungen, etwa solarbetriebene Lagerhallen mit Ladepunkten. Auch Joint Ventures wie das von sennder und Scania gegründete „Juna“ helfen mit Pay-per-Use-Modellen, Einstiegshürden für Speditionen zu senken. Harry Brot etwa plant Zwischenstopps in eigenen Werken, da „öffentlicher Strom oft teurer ist als der eigene“. Von der Politik erhoffen sich viele Unternehmen jedoch mehr – und zwar verlässliche Rahmenbedingungen und sinnvolle Förderungen.
Politisch tut sich ebenfalls etwas: Das Bundesverkehrsministerium hat 2025 ein Vergabeverfahren für ein flächendeckendes Lkw-Schnellladenetz gestartet. Geplant sind 4.200 Ladepunkte an 350 Autobahnstandorten. Ohne solche Hubs wird die Elektrifizierung des Fernverkehrs kaum skalierbar sein.
Ein Branchenumbruch auf leisen Reifen
Der Wandel hat begonnen. Noch rattert die Mehrzahl der Lebensmitteltransporte auf Diesel. Doch das elektrische Summen wird lauter. Und mit jeder eingesparten Tonne CO2 rollt die Branche ein Stück weiter in Richtung Zukunft. Die Unternehmen zeigen: Der Weg in eine klimafreundliche Zukunft gelingt – wenn Wirtschaft, Politik und Logistik gemeinsam an einem Strang ziehen.